"Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: hier ist erst der Schlüssel zu allem"
(Johann Wolfgang Goethe „Italienischen Reise“ 13. April 1787)




Geschichte Siziliens




Die Vorgeschichte Siziliens


XXV-XII Jh.
Die Vorgeschichte Siziliens liegt vollständig im Dunkeln. Die Hauptquellen der archaischen Geschichte Siziliens sind in der archäologischen Erforschung und in den schriftlichen Zeugnissen über die erste Siedler Siziliens begründet. Man versucht zu verstehen wie die alltagskulturelle Erscheinungen wie Gefäße, Metallobjekte, Siedlungsweisen, und Grab- und Wohnformen entsprechen die schriftliche Überlieferung von alten Historikern. Die ältesten Siedlungen Siziliens stammen aus etwa XXV bis zum XII Jahrhundert vor Christus wenn Menschen lebten als Jäger und Sammler und hinterließen Spuren in natürlichen Grotten. Die Funde dieser Zeit konzentrieren sich im Nordwesten Siziliens in Addaura-Höhlen im Monte Pellegrino um Palermo sowie in der Nähe von Stentinello nordöstlich von Syrakus. Die Phasen der sizilianischen Vorgeschichte enthalten:

1. Die Stentinello Kultur oder Jungsteinzeit (IV-III Jahrtausend vor Christus), wenn man die ersten Dörfer bildet und die Kultivierung des Landes beginnt. Man baut die ersten Produkte aus Terrakotta mit typischen Eindrücken und bemalten Keramik
2. Die Kultur des Castelluccio oder der Bronzezeit (XXII des fünfzehnten Jahrhunderts vor Christus). Diese weit verbreitete Kultur im Osten Siziliens präsentiert Felsengräber in künstliche Höhle mit Türen aus geschnitzten Stein mit besonderen Symbolik, interessante Beigaben, Keramiken unterschiedlichen Formen und Größen mit bemerkenswerteren Dekorationen in rotbraun auf einem Roten Hintergrund. Man hat auch Kugelknochen gefunden mit feinen Radierungen, die Mittelmeer-Beziehungen bezeugen.
3. Die Kultur der Thapsos oder das Durchschnittsalter der Bronze gekennzeichnet durch eine Reihe von Küstensiedlungen mit mehr entwickelten Gehäusestrukturen. Gehören zu dieser Kultur Gräber mit Keramik aus Zypern oder Malta importiert.
4. Die Kultur von Pantalica, die sich vom dreizehnten bis zum siebten Jahrhundert vor Christus ausdehnt, wenn die griechische Kolonisation beginnt. Die Keramik dieser Phase weist Becken in roter Farbe mit höhen Fuß, Vasen mit verschiedenen Dekorationen, Bronzeprodukte (Rasierer, Lanzenspitzen, Taschenmesser und Fiebeln). Diese Produkte spiegeln eine intensivere griechische Kolonisation.


In Bezug auf das südöstliche Sizilien archäologischen Ausgrabungen haben Ergebnisse von archaischen Dörfern gezeigt. Die sind Dörfer wie Stentinello (8 km nördlich von Syrakus), Castelluccio (nicht weit von Noto) und Thapsos (eine kleine Insel zwischen Syrakus und Augusta). Nach den neusten Forschungsergebnissen, scheint es richtig zu vermuten, dass sie die älteste Siedlungen in Südost Siziliens sind. Sie dokumentieren menschliche Siedlungen aus XXV bis zum zwölften Jahrhundert vor Christus. Stentinello ist eine Fundstelle, von der die genannte Stentinello-Kultur abgeleitet wird. Siedlungen waren von Wällen und Gräben umgeben. Ackerbau, Tierhaltung und befestigte dörfliche Siedlungen mit ovalen und runden Hütten bilden das Wirtschaftsleben dieser Kultur. Es geht um Keramiken der sogenannten Impressokultur: ihre Keramikgefäße waren mit farbigen Spiral-, Mäander und Zickzackmustern bemalt.

  

Im Südosten der Insel folgte es die bronzezeitliche Kultur von Castelluccio durch Gräberfunde bekannt. Castelluccio ist im Gebiet Notos gelegen, nicht weit von Palazzolo Acreide. Es ist ein stilles wildes Gebiet mit einer Nekropolis deren Gräber wurden in den Fels gegraben. Die gefundenen Funde enthalten keramiken, Bronzewaffen, Knochen, Steingegenstände, Grabplatten. Die Keramik weist weniger grob als im früheren Alter auf und manchmal zart und elegant. Es ist mit linearen Braun- oder Schwarzabschnitten auf einem gelblichen oder rötlichen Grund gemalt. Castelluccio zeigt besondere eigenständige Gräber. Die Bestattung wurde in natürlichen Höhlen oder ovalen Gruben erledigt, die von Trockenmauerwerk eingefasst waren. Die gefundenen Reste gehen auf die Zeitspannung 2000-1500 v.Ch. zurück. Das bedeutet wohl 700 Jahre vor Pantalica Grundung. Nach einigen Funden, die wir haben, d. h. Mühlsteine und Kieselwerkzeuge, kann man wohl sagen, dass die Siedlung an Agrikultur, Schafzucht, Handwerk und begrenzte Binnenhandel lebte. Mangel an vielfältigen Keramikgegenständen deutet, dass das Dorf abgelegen von anderen Siedlungen war. Diese Kultur dauerte lange, wahrscheinlich mehr als fünf Jahrhunderte.



Ab der zweite halbe des XV. Jahrhunderts v.Ch. wurde die Kulturwelt Siziliens ganz anders. Ein Beispil ist uns von der Siedlung Thapsos gegeben. Thapsos ist eine kleine Halbinsel, die sich an der Küste Siziliens Mellilli / Priolo befindet. Der heutige Name ist Magnisi Halbinsel. Auf der Felsenbank, 2 km lang und 700 m breit, steht die wichtigste bronzezeitliche Siedlung Siziliens (1450-1270 vor Christus), bestehend aus einem Dorf und einer riesigen Nekropole. Der Ort wird betrachtet als ein großer Umschlagplatz der Antike, wo wichtige Geschäftstätigkeiten zwischen der einheimischen Bevölkerung und der Bevölkerung Ägäis, insbesondere Mykener stattfanden. Hier wurden interessante Keramikfunde ausgegraben. Die Keramiken beweisen eine verschiedene soziale und wirtschaftliche Organisation. Es handelte von Siedlungen, die sich entlang der Küste befanden. Daher, in Vergleich zu anderen, die im Inneren lagen, waren sie zugänglich zu gewerblichen Tätigkeiten. Die Siedlung von Thapsos besaß eine Nekropolis, eine Stadtstruktur und einen Hafen. Ein neben dem Hafen gelegenes Steinbauwerk mit rechteckigen Räumen beweist ein Handelsbereich und ein Handel treibendes Volk. Diese Kultur dauerte etwas einhundertfünfzig Jahre bis zur Gründung von Pantalica. Zwischen 1270-1000 v. Ch. verlass die Bevölkerung die Küstengebiete und in die Berge flüchtete. Die meisten fanden Rettung in der Tal des Anapo wo sie Pantalica gründeten. die Verlassung der Küstengebiete fiel mit dem Ankuft der Sikuler zusammen.

  

 

1270-1000 v.Chr.

Die Zeit der Sikuler



Sikaner - Elymer - Sikuler
Nach Thukydides die ersten bekannten Kolonisatoren auf Sizilien, vor dem Ankunft der Phönizier und Griechen, waren die Sikaner. Gleichzeitig siedelten sich im Nordwesten der Insel die Elymer an, die aus Kleinasien stammten und die Städte Segesta, Eryx und Entella gründeten. Ostsizilien wurde von Sikulern besiedelt. Die Sikuler stammten aus Sud Italien und waren die Gründer von verschiedenen Dörfern in Sizilien, unter denen waren Neaiton und Pantalika. Diese Dörfer besaßen eine hoch stehende Kultur und Kenntnisse in der Bronze- und Eisenverarbeitung. Die waren die einheimische Stämme des Hinter und Binnenlandes archaischen Siziliens. Funde wie Gefäße, Metallobjekte, Siedlungsweisen, Keramiken, Gräber, Wohnbauten, beweisen, dass es Handelbeziehungen bestanden zwischen den neuen gegründeten Städten. Aus den östlichen Küstengebieten verdrängten die Sikuler die ursprünglich dort lebenden Sikaner, die daraufhin im Landesinnern Schutz suchten. Doch nachdem ab 735 v. Chr. die griechische Kolonisation auf Sizilien begann, endete die Blütezeit ihrer Städte. Am Anfang nahmen die Sikuler auch griechische Lebensweisen an und wurden zu einem gewissen Maß hellenisiert. Erst allmählich wurden sie immer mehr zurückgedrängt. Unter diesen Umständen brach der Aufstand der Sikuler gegen die griechische Vormachtstellung auf. Nach Legende griff Duketios, der Führer der Sikuler, griechische Städte im Landesinneren an, z. B. Morgantina, und zerstörte sie. Ausgrabungen brachten die sikulische Nekropole, hellenistische Gräber und Katakomben zum Vorschein. Später in der byzantinischen Zeit dienten die Gräber gelegentlich als Behausung oder wurden zu Kapellen umgebaut. Hoch über dem Tal des Anapo (Pantalica) und der Cava Grande lag einst die Hauptstadt der Sikuler, deren Bewohner in den Grabhöhlen bestattet wurden. Bis heute wurde jedoch nur ein einzelnes Herrenhaus, das Anaktoron, ausgegraben, welches zu besichtigen ist. In späterer Zeit nutzten Christen die Grabhöhlen als Wohnungen und bauten einige zu kleinen Kapellen um. Die einzelnen Grabfunde, wie Keramik, Metallarbeiten, Skelette sowie ein byzantinischer Goldschatz sind im archäologischen Museum in Syrakus zu bewundern.

Pantalica ist eine vorgeschichtliche archäologische Zone. Es war einst eine Bergsiedlung auf den Hybläischen Bergen. Gegründet von der Küstenbevölkerung, wurde sie im Mittelalter zum Zufluchtsort der Völker, die auf der Flucht von den neuen Mächten waren. Die Felswohnungen und in den Stein gehauenen Kapellen von Pantalica zeugen von der Flucht der Bevölkerung aus den von Sarazenischen Überfällen gefährdeten Städten ins Landesinnere. Pantalica zeigt eine eigene landschaftliche Schönheit: wir befinden uns in einer Naturoase mit beeindruckenden Pflanzenarten (Anemonen, Orchideen, Oleander, Platanen und Karubenbäume) und Tierarten wie Wanderfalken, Füchse und Flusskrebse. Die Schlucht, welche sich südlich des kleinen Städtchens Sortinos erstreckt (bzw. östlich von Ferla), ist ein Muss für Wanderfans und Naturbegeisterte. In den Wänden der Schlucht sind etliche Höhlen zu sehen, Nekropolen, alte Grabstätten die bereits zum Teil in der Jungsteinzeit angelegt wurden, eindrucksvolle Zeitzeugen aus dem Beginn der menschlichen Zivilisation. Die Grabstätten von Pantalica zählen zu den bekanntesten antiken Grabstätten. Diese Nekropolis ist eigentlich die größte Totenstadt des Mittelmeerbeckens. Sie verfügt über 5.000 kleine künstliche Felskammergräber vom 13. bis zum 7. Jahrhundert vor Christus. Die meisten von denen stammen aus der späten Bronzezeit. Es befinden sich auch Überreste aus der byzantinischen Zeit, unter denen die Grundmauerwerke des Prinzpalasts, der Anaktoron. Die Gräber stammen aus verschiedenen Zeiten und nach einigen Spuren geht die Siedlung mindestens zu zwei tausend Jahre zurück vor der Ankunft der Griechen in Sizilien. Gemeinsam mit Syrakus wurde Pantalica im Jahr 2005 auf die UNESCO-Welterbeliste gesetzt. Sie stellt ein Beweis für die Entwicklung der menschlichen Kultur in den letzten 3500 Jahren dar. Da die Gräber sich auf abschüssigen wänden befinden, bieten sie eine sehr eindrucksvolle Sicht. Die Necropoli steht auf einer Höhe von ca. 400 Metern in der Schlucht von Anapo (Valle dell'Anapo) und das ganze Naturschutzgebiet von archäologischem sowie botanischem Interesse ist.



Die Hochebene der Ibleischen Berge ist von tiefen Tälern mit steilen Abhängen durchzogen, die cave genannt werden. Das spektakulärste Tal, Cavagrande (oder Cava Grande), liegt 12 Kilometer von Syrakus entfernt und dehnt sich von Avola bis Avola Antica aus. Vom belvedere (Aussichtspunkt) in der Nähe von Avola Antica bietet dieses Tal das beeindruckende Panorama eines Canyons, der die Hochebene in einer Länge von 10 Kilometern durchpflügt. Umgeben von einer gigantischen Landschaft strahlt die Cavagrande eine himmlische Ruhe aus. Einst formten die Wassermassen des Flusses Cassibile eine 250 m tiefe Schlucht in den weichen Kalkstein der Monti Iblei. Hier befinden sich Felsendörfer, in die steilen Felswände hinein gehauen und einst von den Sikulern bewohnt. Antike Behausungen und Grabhöhlen, vor mehr als 2000 Jahren entstanden, bedecken die schroffen Felswände und lassen ahnen, wie dramatisch der Dialog zwischen Mensch und Natur gewesen sein muss. Weiter flussaufwärts in der Cavagrande finden sich Verbindungshöhlen und in den Fels gearbeitete Treppen, deren Ursprung bis zur Zeit der arabischen Herrschaft zurückreicht. Der Fluss Cassibile, oft mit üppiger Vegetation bedeckt, bildet Wasserfälle und kleine Seen mit kristallklarem Wasser. Die Steingräber in diesen Orten weisen auf eine Nutzung des Gebietes als Nekropole hin. In den Felswänden haben die Sikuler ihre Nekropolen gegründet. Sie haben unzählige Höhlen in den Felsen gehauen und Spuren in Form von Keramik hinterlassen. Später in der byzantinischen Zeit dienten die Gräber gelegentlich als Wohnort oder wurden zu Kapellen umgebaut. Diese Umgebung bietet mediterrane Macchia und dichte Waldgürtel mit Platanen, Pappeln, Eschen, Weiden und Oleanderbüschen voller farbiger Blütenstände.

 

Noto Antica befindet sich 15 km von heutigen Noto Richtung Nordwest entfernt. Um 500 v.Chr., der Legende nach, errichtete Duketios, König der Sikuler, angesichts der Gefahr durch die eindringenden Griechen, die Stadt auf dem von tiefen Schluchten umgeben Berg Alveria in der Hochebene der Hyblaischen Bergen. Das alte Dorf, bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt, wurde unter griechischer Herrschaft von Syrakus aus kolonisiert. Im zweiten punischen Krieg wurde die Stadt ein Verbündeter dem Römer, die ihr das Recht als Municipium verliehen. Die in den Abgrunden rund um Alveria verstreut frühchristliche Nekropolen stammen aus der Zeit der Byzantiner. Nach der Eroberung durch die Araber wurde die Stadt zu Hauptstadt des sogenannten "Val di Noto" ernannt, d. h. eine der drei Regierungsbezirke der Insel. Die kolossalen Mauern wurden am Rande der atemberaubenden Abgründe durch die Griechen errichtet und wurden unter arabischer Herrschaft ausgebaut. Ein Fluss noch verläuft an den Füßen des Berges Alveria. Es war die einzige Wasserquelle, die die Sikuler in diesem Ort hatten. 1693 wurde die Stadt mit ihren 14'400 Einwohnern durch das gewaltige Erdbeben im Val di Noto fast vollständig zerstört. Was heute an dieser Stelle bleibt sind einige beschädigte Bauwerke, die sich im Laufe der Jahrhunderte entstanden sind. Der ursprüngliche Kern des sikulischen Dorfes ist noch erkennbar in archaischen Strukturen von großen Felsblöcken, die einander überlappen. Die Reste der Mauern, den Umfang der Siedlung bildeten und die im Inneren entstehende Burg, wurde später von Normannen errichtet.