Siracusa





Mittelalterliche Straßen

In der Stadtstruktur von Ortigia stößt man noch auf ein enges Straßennetz griechischer Herkunft. Sie waren die alten Geschäftsstraßen, wo sich, seit der arabischen Herrschaft, ein blühender Handel mit den Seerepubliken von Genua und Amalfi, Spanien und anderen Mittelmeerländern entwickelte. Ein Besuch des arabischen Viertels sich uns in Gedächtnis prägt. Es ist eine mitreißende Erfahrung, die unsere Fantasie anregt. Es musste wirklich beeindruckend der mittelalterliche Charme, die von diesen arabischen engen Gassen ausströmte. Jeder Passant fühlte Entdecker eines morgenländischen Märchens. Gerüche nach orientalischen Gewürzen, gebratenes Fleisch und Gemüse hüllten ihn ein. Weiß beplante Stände, von denen der Rauch offener Feuerstellen aufstieg, arabische Köstlichkeiten und traditionelle Berberküche wurden hier an verzierten Holztischen serviert. Die Epoche des 15. Jh. war eine Epoche des wirtschaftlichen Wohlstands der Stadt. Unter der aragonesischen Herrschaft erhielt die Stadt den Status eines freien Hafens. Ihre zwei Hauptmärkte befanden sich an der Porta Marina und am Domplatz. Am Domplatz trieben überwiegend Juden Handel mit Juwelen und hochwertigen Stoffen. Der wichtigste Markt aber war an der Porta Marina, wo die Waren von den schiffen abgeladen, gewogen und eingelagert wurden. Große Bedeutung für die wirtschaftliche Situation der Stadt hatten die Handwerkszünfte. Einige kleine Straßen tragen noch ihre Namen, wie zum Beispiel, Via dei Candelai (Kerzengießerstr.), Via dei Bottai (Faßbindergasse), Via dei Cordari (Seilerstraße), Via Amalfitania (wo die Händler aus Amalfi wohnten). Alle diese Straßen sind mit dem Marktgebiet von Porta Marina verbunden.
Das unterliegende Bild zeigt die Teile von Ortigia, wo sich die meisten enge Gassen befinden. Das sogenannte Fassbinder Viertel liegt rund um die enge Cavour Straße, west von Archimedesplatz. Es war einmal das Viertel, wo Handwerker und Händler ihre Geschäfte führten. Alle enge Gassen dieses Viertels gehen in Richtung Hafen hinunter und werden durch alte nacheinanderliegende Häuser flankiert.
Das Viertel Graziella verbreitet ostwärts hinter dem Markt und wird durch einen arabischen Einfluß ausgezeichnet. Es war ein sehr lebendiges Viertel der Stadt. Entlang seiner engen Gassen und Sackgassen gab es Workshops, Weingüter, Bäckereien und vielen kommerziellen Aktivitäten.
Das Viertel der Juden befindet sich rund um Via della Giudecca. Die meisten Bewohner dieses Viertels waren Juden, es gab auch Katholiken und Muslime. Das Zusammenleben der Menschen verschiedener Religion war nicht immer friedlich. Als die Araber ihre Macht über Syrakus befestigsten, wurden die Juden vor die Wahl zwischen Tod und Taufe gestellt. In der Folge kam es zu einer Welle von Zwangsbekehrten. Vom selbem Schicksal wurden auch die Katholiken hart getroffen. Während der Herrschaft von Alfonso II (1416-1458) kam aus Spanien auch die Inquisition und das wenige, religiöse Toleranz, bisher geblieben, verschwand völlig. Zur Zeit der Inquisition, nach Schätzungen, hatten allein auf Sizilien etwas 50.000 Juden gelebt. Wie viel von denen lebten in Syrakus ist unbekannt. Wie in allen spanischen Besitzungen, wurden die Juden gezwungen die Stadt zu verlassen.