"Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: hier ist erst der Schlüssel zu allem
(Johann Wolfgang Goethe ?Italienischen Reise? 13. April 1787)"




Geschichte Siziliens




Die Griechische Kolonisierung



800 – 212 v. Chr.

Phönizier und Griechen

Im Laufe der Geschichte hat Sizilien viele fremde Eroberer angezogen, die ihre Spuren auf der Insel hinterlassen. Die zwei mächtigen Völker in der Antike, die eine ungeheuer vielfältige Kulturlandschaft brachten, waren die Phönizier und die Griechen.
Vor allem im Westen der Insel hatten sich die Phönizier (Seeleute und Händler) niedergelassen und Häfen und Städte gegründet. Die wichtigen ausgewählten Stützpunkte der Phönizier waren kleine Insel vor der Westküste Siziliens, weil sie nah am Festland lagen. Auf der Insel San Pantaleo befindet sich heute eine der wenigen Ausgrabungsstätten phönizischer Siedlungen. Die Phönizier hatten keine politische Einheit. Als kühne Seefahrer und tüchtige Kaufleute wurden sie bald das beherrschende See- und Handelsvolk im Mittelmeer. Sie errichteten ein System von seenahen Handelsstützpunkten rings ums Mittelmeer, um von dort aus im Einvernehmen mit der ansässigen Bevölkerung Geschäfte und Tauschhandel abwickeln zu können. Die gegründeten Handelsplätze waren Tingis (Tanger), Leptis, Karthago (Tunis), Kyrene an den Küsten des Nordafrikas; Gadir (Cadiz) in Sudspanien; Tripolis, Biblon, Sidon in Lebanon; und auf den Inseln des Mittelmeers, insbesondere auf Sizilien, Malta, Korsika, Zypern, Rhodos. Die Güter, die sie produzierten und handelten, waren Getreide, Glasswaren, Purpurstoffe, Zedern- und Pinienholz, Edelmetallen, Papyrus, Goldschmuck, Siegel, Keramiken, Münzen und Masken. Nach Diodor gründeten die Phönizier mehrere Handelskolonien in Sizilien, unter denen die wichtigste waren Motje,Solus, Eryx und Panormos. Der Fluss Himera (heute Salso) teilte die Insel geographisch in eine westliche und eine östliche Hälfte. Dieser Fluss galt daher lange als Demarkationslinie zwischen dem Karthagischen Reich und Syrakus. Die größte Bedrohung für den Aufbau eines karthagischen Reiches waren die griechischen Kolonien, vornehmlich Syrakus. Die Phönizier sahen die Griechen als ernste Konkurrenten, die im Laufe der Zeit ebenfalls zahlreiche Kolonien im Mittelmeergebiet gegründet hatten.

Die griechische Kolonisation von Sizilien hatte allmählich begonnen. Erstmal ab dem achten Jahrhundert vor Christus besiedelten griechische Stämme den Ostteil Siziliens. Ungefähr gleichzeitig begannen Phönizier den Nordwesten Sizilien zu besiedeln. In den folgenden Jahrzehnten kamen immer mehr Griechen nach Sizilien. Sie drängten die einheimische Bevölkerung ins unwegsame Bergland ab und schieben ihre eigenen Siedlungen immer weiter nach Süden und Westen vor. Ab 735 v.Ch. wurden Naxos, Syrakus und anderen Siedlungen auf den Gebieten von Sikulern gegründet. Für eine lange Zeit reagierten die Sikuler, aber von den Griechen überfordert waren sie gezwungen, in die Bergregionen der Hyblaischen Berge und Felsentäler zurückzutreten. Die wichtigsten Ereignisse der griechischen Herrschaft begannen im fünften Jahrhundert. In 480 v. Chr. Gelo besiegten die Karthager in der Schlacht von Himera. Im selben Jahr wurde die persische Flotte in Salamis vernichtet und das reduzierte die Macht von Karthago. In 474 v. Chr. Hieron verhaftet bei Cuma die etruskische Expansion. In 413 v. Chr. Dionisius zerstörte die athenische Flotte im Hafen von Syrakus. Diese Siege verbreiteten die Hegemonie der Stadt Syrakus im Mittelmeer. Syrakus wurde die mächtigste Stadt im Mittelmeer. In diese Zeit fiel die Errichtung der meisten griechischen Tempel Siziliens. Unter der Herrschaft der Griechen erlangte die Stadt eine sehr bedeutende Stellung. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie der Tempel zu Athena und das griechische Theater wurden in diesem Jahrhundert gebaut. Syrakus wurde zum wichtigsten Zentrum der Kultur. Die Griechische Dichtung blühte mit Theokrit und Moschus und dramatische Kunst mit den Werken von Aischylos, Sophokles und Euripides die im griechischen Theater inszeniert wurden. Viele berühmte Dichter erfreuten durch ihre Kunst den Hof der Stadt, Platon entwickelte hier seine Lehren und Archimedes betrieb hier seine Mathematik und praktische Physik. In der Wissenschaft waren Archimedes und Empedocles die größten Wissenschaftler ihrer Zeit. Die von Archimedes entworfenen und konstruierten Wurfmaschinen wurden bei der Verteidigung von Syrakus gegen die Römer im zweiten Punischen Krieg eingesetzt. Die griechische Herrschaft dauerte fünf Jahrhunderte und ab 212 v. Chr. wurde Syrakus von den Römern erobert. Das gleiche Schicksal betraff die Karthager. Als die Römer 149 bis 146 v. Chr. (Dritter Punischer Krieg) Karthago gleichgemacht hatten, war es auch mit der Zeit der Phönizier vorbei.



Die städtische Siedlung von Eloro gehört nicht an Vorgeschichte. Es wurde am Ende des achten Jahrhunderts v. Ch. von korinthischen Siedlern gegründet. Eloro befindet sich 8 km südlich von Noto an der Küste des Ionischen Meeres. Die Überreste dieses griechischen Dorfes liegen auf einem Hügel zwischen zwei Buchten in der Nähe der Mündung des Flusses Tellaro. Von den antiken Mauern genießt man eine fantastische Aussicht der untergelegenen Strände, die entlang der Küste aufeinanderfolgen. Nicht viel von den antiken Ruinen erhalten ist; allerdings die Überreste eines antiken Theaters und eines Demeter Tempels erkennbar sind. Votivgaben dieses Tempels befinden sich in Museo Civico von Noto. In dieser Gegend gibt es noch Grundmauern einer Basilika. Die Anwesenheit einer Trasse mit Wagenradspuren lässt uns vermuten, dass es ein Stück der Via Elorina sein könnte, die nach Syrakus führen sollte.