"Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: hier ist erst der Schlüssel zu allem
(Johann Wolfgang Goethe ?Italienischen Reise? 13. April 1787)"




Geschichte Siziliens




Die Araber



827 - 1060 n. Chr.

Die Araber

Von 827 bis 1060 stand Sizilien unter arabischer Herrschaft. Erste arabische Angriffe auf das byzantinische Sizilien misslangen 652, 667 und auch 720. Ab 827 begannen Araber, berberische und andalusische Rebellen Sizilien zu überfallen. Als 831 fiel Palermo unter die Herrschaft der Araber, verlor Syrakus den Vorzug als Hauptstadt Siziliens zu sein. Am 21. Mai 878 fiel auch Syrakus unter arabische Herrschaft. Die Araber rotteten die Stadt mit feur und Schwert aus. Sie plunderten Häuser und töteten die meisten Bewohner. Der Apollon Tempel sowie der Athena Tempel, das heutige Dom von Syrakus, dienten nun als Moscheen. Abgesehen von den Grausamkeiten, die etwa zwanzig Jahre dauerten, war die arabische Herrschaft eine Periode der Erleuchtung für Sizilien. Mit etwa 300.000 Einwohnern hatte allein die arabische hauptstadt Palermo damals viel mehr Einwohner als alle Städte Siziliens zusammen. Der muslimische Bevölkerungsanteil auf der Insel zählte in der Mitte des 11. Jahrhunderts mehr als zwei Drittel. Viele mittelalterlichen Kirchen in Sizlien haben ein arabisches Erbe: Kuppeldächer, arabischen Säulen oder Holzschnitzereien. Erkennbar sind verschiedene arabische Bauelemente wie z.B. die vielfältigkeit verschlungener Bogen, den zierlichen Zackenzinnen, die übermütige Gestaltung des Details, die vielfärbige gemalten Muster und überhaupt die reiche Ergusse einer glücklichen, südlichen Phantasie. Allerdings finden sich auf Sizilien nur wenige Bauwerke Die Kathedrale von Palermo war zuvor die Hauptmoschee Palermos. Die kulturelle, sozialen und wirtschaftlichen Reformen hatten einen tiefen und lang andauernden Einfluss. Unter den Arabern blühte die Landwirtschaft. Neue Bewässerungstechniken wurden nach Sizilien eingebracht und den Export ausgerichtet. Es wurden neue Kulturpflanzen angebaut, z.B. Zitronen- und Orangenbäume, Dattelpalmen, Baumwolle, Zuckerrohr, Hanf usw. Viele arabische Moscheen und Paläste waren in Palermo errichtet. In vielen Bereichen nahm die arabische Welt eine führende Stellung ein: in Astronomie, Mathematik, Medizin, Landwirtschaft, Kartografie und Dichtung. Die Arabische Herrschaft auf Sizilien überdauerte drei nordafrikanische Dynastien: die Aghlabids, die Fatimiden, deren Hauptstadt in Kairo war, und die Kalbiden. 948 erklärte sich Hassan al-Kalbi zum Emir von Sizilien und schon bald wurden "konkurrierende" Emirate in Enna und Syrakus gegründet. Sizilien wurde in drei administrative Bezirke unterteilt, deren Namen bis heute geblieben sind: Val di Mazara, Val di Noto und Val di Demone. Die Araber hatten starke Handelsbeziehungen zum Nahen- und Fernen Osten und Sizilien profitierte enorm davon und wurde ein wichtiger Handelsknotenpunkt. Es wurden Textilien, Zucker, Stricke, Seide, Zitrusfrüchte, Baumwolle, Datteln und Hanf in beachtlichen Mengen nach Europäische Länder exportiert. Während der arabischen Herrschaft neue Viertel und Märkte wurden in Palermo geplant: der Kalsa- und Cassaro-Distrikt sowie die Märkte Capo und Ballarò. Es gibt Städte und Dörfer mit Namen arabischen Ursprungs: Caltagirone, Caltanisseta, Caltabellotta und Caltavuturo stammen alle vom arabischen Wort calta für Schloss; Mongibello, Gibilmanna und Gibellina enthalten das gibil = Gebirge; Marsala oder Mars'Allah ist der Hafen Gottes und Alcamo wurde vom muslimischen General Al-Kamuk gegründet. Es ist merkwürdig, dass zwei Jahrhunderte Arabische Domination in Sizilien haben in der sizilianischen Sprache viel mehr Spuren hinterlassen als fünf Jahrhunderte Griechische Domination. Zahlreiche sind die Wörte arabischen Ursprungs: Die Vorherrschaft der Araber in Syrakus endete im Jahr 1038, als der byzantinische General Georg Maniakes die Stadt eroberte und auf Ortygia das später so genannte Castello Maniace errichten ließ.


 

 


San Giovanni degli Eremiti

San Cataldo

Arabische Säule

Arabische Wäscherei

Ballarò Markt